Georgien Nachrichten
März 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
 
 
Georgien ist kein kriminelles Land!
Wie ein Lauffeuer verbreiten sich seit einigen Tagen die Nachrichten über Georgien in der deutschen Presse, dass einzelne Fraktionsvertreter im Bundestag, sowie einige deutsche Innenpolitikexperten wie Armin Schuster vor der Visa-Freiheit für Georgien warnen. Der Grund sei die deutlich angestiegene Kriminalität seitens der georgischen Staatsbürger und Missbrauch des Asylrechts, dergestalt dass der Zeitraum für die Bearbeitung der Asylanträge häufig für organisierte Verbrechen genutzt wird. Überschriften wie „Visa-Freiheit: Regierung fürchtet georgische Diebesbanden“ (DIE WELT) oder „Zu kriminell | Union lehnt Visa-Freiheit für Georgier ab“ (BILD) werden in den sozialen Netzwerken im Sekundentakt geteilt.
Die Niederrheingruppe und was sie mit Georgien zu tun hat
Vor wenigen Wochen ist die Niederrheingruppe erschienen, der jüngste Kriminalroman von Thomas Berscheid, der jahrelang die Nachrichten auf dieser Webseite geschrieben hat. Die Niederrheingruppe spielt fast ausschließlich im Kreis Viersen und hat einen kleinen Abstecher nach Köln. In Georgien spielt die Handlung nicht. Und dennoch sind viele Erfahrungen aus dem Nachrichten über Georgien der letzten Jahre in diesen Kriminalroman mit eingeflossen.
Iwanischwili reist nach Brüssel
Der georgische Premierminister Bidsina Iwanischwili ist zu einem Besuch nach Brüssel gereist. Dies ist sein erster Auslandsbesuch nach dem Machtwechsel durch demokratische Wahlen in Georgien.
Metro soll auch bestreikt werden
Die Gewerkschaft der Beschäftigten der Metro in Tbilissi hat angekündigt, in den Streik treten zu wollen. Damit wollen die Beschäftigten der Metro den Streik der Busfahrer unterstützen. Diese waren Mitte der Woche in den Streik getreten. Sie verlangen u. a. eine Gehaltserhöhung und bessere Arbeitsbedingungen. Ein Treffen mit Verantwortlichen der Verkehrsbetriebe und der Stadtverwaltung am Sonntag war ergebnislos verlaufen, die Fahrer verlangen den Rücktritt der beiden verantwortlichen Personen.
Sammlung von Unterschriften für Rücktritt von Saakaschwili hat begonnen
Die Organisation Einheit für Rechte in Georgien hat mit der Sammlung von Unterschriften für einen Rücktritt des Präsidenten Saakaschwili begonnen. Dies teilte die georgische Nachrichtenagentur Interpressnews mit.
Kalandadse und Schamatawa von Gericht ihrer Ämter enthoben
Der Leiter des georgischen Generalstabs, Giorgi Kalandadse, und der Kommandant der vierten Brigade der Streitkräfte, Surab Schamatawa, sind ihrer Ämter enthoben worden. Eine entsprechende Entscheidung fällte der Gerichtshof in Tbilissi auf Antrag der Generalstaatsanwaltschaft am Sonntag.
Einmarsch russischer Truppen nach Georgien fand nicht statt
Die Simulation eines Einmarschs der russischen Streitkräfte in Georgien durch den regierungstreuen Sender Imedi TV hat nicht nur zu Panik in Georgien geführt. Auch deutsche Medien berichteten über das Ereignis. Am Tag nach der Sendung gab es von mehreren Seiten Reaktionen. Der ganze Ablauf von Sendung und die folgende Panik erinnert fatal an die Landung von Marsmenschen im Oktober 1938 in den USA.



Die Russen kommen!

Imedi TV, seit der Erstürmung am 7. November 2007 durch Polizeitruppen des Innenministers Merabischwili und späterer Enteignung des früheren Eigentümers Badri Patarkazischwili in Hand der Regierung Saakaschwili, hatte am Samstag Abend eine Sendung ausgestrahlt, in der in der Optik eines Nachrichtensenders wie CNN von einem angeblichen Einmarsch der russischen Streitkräfte in Georgien berichtet wurde. Dies löste Panik in der Bevölkerung in Georgien aus. Zwei Todesfälle, über die zuerst berichtet worden war, wurden offiziell von den Behörden der Regierung Saakaschwili nicht bestätigt. Die Schuld an den Einmarsch wurde der Opposition in Georgien, die nach Aussagen des Senders mit Russland paktiert haben sollte, in die Schuhe geschoben. Der georgische Präsident Saakaschwili sollte ermordet worden sein.



Erst Demonstranten auf der Straße, dann Sprecherin in Sender

Nach der Sendung gingen viele Menschen am Samstag Abend auf die Straße. Saakaschwili schickte seine Chefsprecherin, die vorher bei regierungstreuen Sender Rustawi 2 beschäftigt war, in den Sender. Dort kritisierte sie zwar die Mitarbeiter des Senders, entschuldigte sich aber nicht bei der Opposition, die in der Sendung diffamiert worden war.



Saakaschwili. Unerfreulich

Saakaschwili sagte am Sonntag zu der Sendung, die dort dargestellten Ereignisse seien sehr nah an der möglichen Entwicklung. Diese Ereignisse seien „unerfreulich“, so die Meinung von Saakaschwili.



Patriarch fordert mehr Aufmerksamkeit von Regierung Saakaschwili

Der Patriarch der georgisch-orthodoxen Kirche Ilia II. verurteilte in seiner Predigt am Sonntag. Er forderte die Regierung Saakaschwili zu mehr Aufmerksamkeit auf. Ein Sender sollte kontrolliert werden und nicht solche Hässlichkeiten ausstrahlen, so Ilia II. am Sonntag.

Zudem sagte der Patriarch, die Sendung habe bei jeder Person, die in Georgien lebt, für Aufregung gesorgt, auch in den georgischen Streitkräften. Die Menschen hätten die Sendung für die Realität gehalten, und wenn dies wirklich passiere, würden sie es nicht mehr glauben.



Demonstration am Sonntag

Nach einer spontanen Demonstration am Samstag Abend vor dem Gebäude von Imedi TV versammelten sich am Sonntag rund 200 Menschen zu einer Kundgebung auf dem Platz der Rosen. Unter ihnen waren auch mehrere Politiker der Opposition in Georgien. Dabei wurde entschieden, dass die ebenfalls demonstrierenden Mitarbeiter unabhängiger Organisationen den Kontakt zum diplomatischen Korps in Georgien und zu den Streitkräften suchen sollten.



Chef von Imedi stellt Panik fest

Giorgi Arweladse, enger Vertrauter des Präsidenten Saakaschwili und Chef von Imedi TV, behauptete in einer Stellungnahme, die Sendung seines Senders habe nicht Ziel gehabt, die Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen. Er wolle die Verantwortung für die Sendung übernehmen. Dabei stellte Arweladse fest, dass sein Sender Panik in der Bevölkerung in Georgien ausgelöst hat.



Journalist will bei Imedi kündigen

Iase Tsintsadse, Mitarbeiter von Imedi TV, kündigte auf dem nicht regierungstreuen Sender Maestro TV an, Imedi verlassen zu wollen. Als Grund nannte er die gefälschte Sendung.



Natelaschwili fordert Sonderermittler der UN gegen Saakaschwili

Der Vorsitzende der Arbeiterpartei in Georgien, Schalwa Natelaschwili, forderte die UN auf, einen Sonderermittler einzusetzen. Diese solle dafür sorgen, dass Saakaschwili und seine Begleiter für die bereits ausgeübte Gewalt und die offensive Kriegspropaganda vom Samstag zur Rechenschaft gezogen werden. Zudem forderte er die Rückgabe des Senders Imedi TV an die rechtmäßigen Eigentümer, die Erben des nach einer Schmutzkampagne der Regierung Saakaschwili im Februar 2008 verstorbenen Badri Patarkazischwili.



US-Botschafter nennt Sendung unverantwortlich

Der Botschafter der USA in Geogien, John Bass, nannte die Sendung des unter Kontrolle der Regierung Saakaschwili stehenden Sender „unverantwortlich“. Diese sei zudem nicht hilfreich, um den wahren Bedrohungen der Sicherheit in Georgien zu begegnen.

Wie Bass am später Sonntag Abend sagte, sei die Sendung alarmierend und verstörend für die Bevölkerung in Georgien gewesen, die nicht gewusst habe, ob es sich um die Realität oder eine Fiktion gehandelt habe. Dies sei seiner Meinung nach unverantwortlich, so Bass. Zudem seien Standards eines professionellen Journalismus nicht eingehalten worden.



Die Marsmenschen kamen!

Zu der Sendung gibt es einen interessanten medienhistorischen Zusammenhang. Moderatoren von Imedi TV hatten vor und nach der Sendung darauf hingewiesen, dass es sich um eine Fiktion handle. Dieses hatten jedoch viele Zuschauer nicht mitbekommen.

Am 30. Oktober 1938 kündigte die ABC in den USA ein Hörspiel an, was jedoch viele Zuhörer nicht bekamen, da sie zu diesem Zeitpunkt eine andere populäre Sendung hörten. Sie schalteten später ins Programm ein und bekamen mit, das Marsianer gerade auf der Erde landeten. Da sie die Ankündigung nicht gehört hatten, hielten sie die Sendung für eine wahre Reportage. Dies löste in den USA ebenfalls eine Panik aus. Der Autor dieser Sendung, Orson Welles, wurde mit den Folgen der Adaption des Romans „Krieg der Welten“ von H. G. Wells mit einem Schlag berühmt.

Ähnliches ereignete sich nun in Georgien.

Lesen Sie weiter: Sddeutsche: Das Hrspiel von Orson Welles

Quelle: Civil Georgia / Interpressnews, 15.03.2010
Innenpolitik
Außenpolitik
Panorama
Kultur
Medien
Meinung
Presseschau
Wirtschaft
Ermächtigte Übersetzerin für die georgische Sprache
Allgemein beeidigte Dolmetscherin für die georgische Sprache des Landes NRW
Georgische Übersetzungen und Georgisch Dolmetschen bei Georgisch.com - Irma Berscheid-Kimeridze
Georgische Übersetzungen und Georgisch Dolmetschen bei Georgisch.com - Irma Berscheid-Kimeridze